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Geistchirurgie I

Eine empirische Studie

Vorbemerkung:

Warum im Rahmen einer Webseite über Selbstheilung/Selbsthilfe ein großer Blog wie Geistchirurgie überhaupt Aufnahme findet, hat seinen guten Grund.

Als Unterbegriff des Geistigen Heilens erhebt diese besondere Heilweise genauso Anspruch darauf, ernst genommen zu werden, wie z.B. Handauflegung oder Fernheilung. Was im folgendenden versucht wird, nachzuweisen. Besser, wiewohl viel spektakulärer, im Sinne von höherer  Erfolgsrate ist Geistchirurgie nicht. Dass sie jedoch funktionieren kann, habe ich mehrfach persönlich hautnah miterlebt.

Sie ist daher für den oft verzweifelt Heilung Suchenden eine echte Alternative, eine große Chance, wie jede Art von Geistheilung. Statistisch gesehen, werden nämlich fast ein Drittel der häufig als austherapiert geltenden Patienten durch geistige Heilmethoden vollkommen geheilt. Und immerhin 24 Prozent erfahren teilweise bis leichte Verbesserung. Bei Austherapierten im Sinne der Selbsthilfe damit ein gigantischer Hoffnungswert. 

Selbst bei erfahrenen und erfolgreichen Geistheilern kann Geistchirurgie noch leicht zu einem Reizthema werden. Dies liegt zum einen daran, dass diese Form des geistigen Heilens relativ selten vorkommt, d.h. von nur sehr wenigen Heilern ausgeübt und beherrscht wird. Sie ist daher auch nicht leicht überall nachzuvollziehen bzw. zu überprüfen. Die diesem Phänomen zugrunde liegenden Prinzipien sind in aller Regel den meisten nicht bekannt. Zum anderen sind Umstände wie Praktiken vielfach etwas bizarr, jedenfalls meist recht blutig und für außen stehende Betrachter oft schockierend und unverständlich.

Geistchirurgie wird vor allem von Naturwissenschaftlern schnell in die Bereiche Scharlatanerie und Betrug gerückt. Da sie sich scheinbar jeglicher biophysikalischen Erklärungsweise entzieht, ist die Thematik diesem Personenkreis ex ante ein Gräuel und keiner ernsthaften wissenschaftlichen Untersuchung und Auseinandersetzung wert.

Diese Einstellung wird verständlich, wenn man feststellen muss, dass sie ohne Einwirkung und Mithilfe der geistigen Welt nicht durchführbar ist. Zu nachhaltig wie unübersehbar sind in aller Regel hierbei erhebliche Veränderungen grobstofflicher, sprich materieller Zustände, als dass man auch nur annehmen dürfte, die verschiedenen Vorgänge und Phänomene bei dieser besonderen Art des Geistheilens könnten von Menschenhand mittels eigener Energie bewerkstelligt werden. Der Glaube an die Existenz feinstofflicher Welten und der hieraus agierenden Geistwesen wird daher das Kriterium, ob man auch Geistchirurgie als Realität akzeptieren kann oder sie kategorisch ablehnen muss.

Nachdem ich Anfang der 80er Jahre den für mich gültigen und unumstößlichen Beweis erhielt, dass Geistheilung existiert und unabdingbar von der Mitarbeit jenseitiger Kräfte abhängig ist, war der Sprung zur Akzeptanz der Geistchirurgie als mögliche weitere Ausformung geistigen Heilens nicht mehr weit. Dabei ging ich von der leicht nachvollziehbaren Überlegung aus, mit welchem Recht dürfe man die Fähigkeiten und Möglichkeiten höher entwickelter, gewöhnlich schon relativ überlegener Geistwesen beschränken und jene nur auf Energieübertragung bzw. Schwingungsanpassung bei „Standardheilungen“ mittels Handauflegung reduzieren?

Daher beschloss ich, der Sache auf den Grund zu gehen und mich selbst mit eigenen Augen von den Sachverhalten zu überzeugen. Mir kam dabei der Umstand entgegen, dass die inzwischen immer mehr bekannt werdenden Fälle erfolgreicher Geistchirurgie praktisch vor meiner Haustür auf den Philippinen stattfanden. Zu dieser Zeit war ich für eine Reihe von Jahren beruflich in Tokio ansässig und konnte problemfrei auf meinen Geschäftsreisen von und zurück nach Europa einen Zwischenstopp in Manila einlegen.

Auf einem Lufthansaflug von Frankfurt im Frühjahr 1982 dorthin war mein einziger Mitreisender in dem Abteil Seine Exzellenz Kardinal Sin von den Philippinen. Es gelang mir, mit ihm ins Gespräch zu kommen und ihn über meine Absicht zu informieren. Nach längeren Ausflüchten konnte ich ihm die Auskunft entlocken, dass er, von der Bischofskonferenz in München dazu beauftragt, eine umfangreiche Untersuchung der Vorgänge in seinen Bistümern veranlasst hatte. Dabei sei man auf eine Reihe von Betrugsfällen gestoßen; bei einem Teil der Fälle jedoch habe man auch Heilungen registrieren müssen, die sich jeglicher Erklärung durch die Kirchenbehörde entzögen. Zu Zahlenangaben und weiteren Ausführungen konnte ich freilich den vorsichtigen hohen Kirchenfürsten nicht bewegen.

Schon vor meiner Reise hatte ich mich ausgiebig mit zwei der bekanntesten Geistchirurgen jener Tage beschäftigt. Der eine war Pedro de Freitas aus Congonhas do Campo, der unter dem Namen Zé Arigo (von José „Bauernlümmel“) zwischen 1950 – 1971 Brasilien bis hin zu Präsident Dr. med. J. Kubitscheck polarisiert hatte. Vom Hass des lokalen Priesters verfolgt, von der Ärzteschaft des Landes mehrfach vor Gericht gezogen, war es ihm jedoch seltsamerweise immer wieder gelungen, bald freizukommen, wobei sich höchste Regierungskreise, darunter der Präsident, für ihn einsetzten. Zugute kam ihm dabei freilich auch der Umstand, in keinem Fall Geld für seine Arbeit genommen zu haben. Hierbei ist festzuhalten, dass er nachweislich und wohl dokumentiert viele Tausende von den verschiedensten Erkrankungen während seiner zwei Jahrzehnte langen Tätigkeit als Geistchirurg befreit hatte. Zé Arigo kam 53-jährig bei einem Verkehrsunfall 1971 ums Leben.

Alles begann damit, dass ein einfacher Landarbeitersohn, mit abgebrochener Volksschulausbildung und als guter Katholik jeglichem Spiritismus abgeneigt, das Zimmer einer an einem Unterleibstumor Erkrankten betrat. Hier hatten sich bereits eine Reihe von Personen eingefunden, um sich von der Sterbenden zu verabschieden. Der Mann fiel urplötzlich in Trance und rief nach einem Messer. Er stürzte in die Küche, beschaffte sich dort ein großes Küchenmesser und hieb es zum Entsetzen der Umherstehenden der Frau in den Unterleib. Unter viel Blutverlust holte er mit großen Schnitten einen pfundschweren Tumor heraus, den er mit dem Messer in ein nahe stehendes Spülbecken warf. Nachdem sich die Wunde ohne sein Zutun von selbst wieder geschlossen hatte, setzte er sich auf einen Stuhl und begann heftig zu weinen. Nachfolgende Untersuchungen des Tumorgewebes ergaben, dass es mit dem des Körpers der nunmehr gesunden Frau identisch war.

Von Rudolf Passian haben wir die Fortsetzung der Geschichte: „Niemals wäre Pedro de Freitas über seinen Freundeskreis bekannt geworden, wäre nicht die Sache mit dem Politiker Lucio Bittencourt passiert, dem damaligen Präsidenten der Minenarbeiter-Gewerkschaft. Senator Bittencourt besuchte während einer Wahlkampfreise im Jahre 1950 Pedro de Freitas, der damals Ortsvorsitzender jener Gewerkschaft war, und forderte ihn auf, mitzukommen.

In Belo Horizonte übernachteten die Beiden. Dort erwachte Bittencourt des Nachts durch ein Geräusch im Zimmer. Er knipste das Licht an und erblickte Arigo, im Schlafanzug und mit einem Messer in der Hand. Mit einem eigenartigen Augenausdruck erklärte dieser dem überraschten Senator, ihn unverzüglich operieren zu müssen.

Bittencourt tat das einzig Vernünftige in solcher Situtation: er fiel in Ohnmacht.

Als er in jener denkwürdigen Nacht wieder zu sich kam, war er allein. Hatte er alles nur geträumt? – Aber irgend etwas war geschehen; er meinte, am Rücken etwas zu spüren und zog seine Schlafjacke aus. Sie war aufgeschlitzt und wies einen Blutfleck auf. Vor dem Spiegel zeigte sein Rücken eine Art frischer Narbe.

In begreiflicher Aufregung kleidete sich Bittencourt an und begab sich ins Zimmer von Arigo, um ihn zur Rede zu stellen. Dieser schlief jedoch wie ein Murmeltier und bestritt energisch, in des Senators Zimmer gewesen zu sein.

Bittencourt litt an inoperablem Lungenkrebs. Mit der nächst erreichbaren Maschine flog er nach Rio zurück und begab sich zu seinen Ärzten. Mit der Angabe operiert worden zu sein, bat er um Untersuchung. Als die Befunde vorlagen, gratulierte man ihm zu der perfekt gelungenen Operation und fragte ihn, in welcher US-Klinik er gewesen sei. Nun gab er sein Geheimnis preis, und die Presse berichtete in Schlagzeilen: „Senator Bittencourt durch spiritistische Operation von Lungenkrebs befreit!“ (Aus: Tourinho, Nazareno, Dr. med. Edson Queiroz – Der Wunderchirurg aus Brasilien -, S. 173)

Zé Arigo, wie er bald nur noch genannt wurde, setzte nach anfänglichem Zögern seine gewöhnlich in tiefer Trance durchgeführte Karriere als Geistchirurg fort. Oft nach erheblichem Alkoholkonsum, der ihn jedoch nicht betrunken werden ließ, diagnostizierte er, der keinerlei anatomische Grundkenntnisse besaß, genau die Erkrankung des jeweiligen Patienten. Dabei sah er diesen meist nicht einmal an. Die Diagnosen wurden von häufig anwesenden Ärzten oder durch Krankenhausberichte als richtig bestätigt. Gleiches galt für ebenfalls korrekte Blutdruckansagen. Ohne Anästhesie und jedwede antiseptischen Maßnahmen zog er dann seine Operationen mittels rostiger Taschenmesser, Scheren, Rasierklingen oder einfach nur mit Glasscherben in Minutenschnelle durch. Die unweigerlich dabei einsetzenden Blutungen stoppte er in der Regel mit einem scharfen verbalen Kommando.

Die Berichte über erfolgreiche Operationen häuften sich. Natürlich versuchte eine Reihe von Leuten, darunter viele Ärzte und sonstige Wissenschaftler, ihn des Betruges zu überführen. Doch selbst Richtern, die über ihn zu urteilen hatten und ihn selbst bei seiner Arbeit in Augenschein nahmen, gelang es nicht, in nur einem einzigen Fall den Nachweis desselben zu erbringen. Auch ein amerikanisches Team von zwanzig Forschern unter Führung des bekannten Arztes Prof. Dr. Andrija Puharich, das Filmaufnahmen machte, kam zu dem Ergebnis, keine Erklärung für das Phänomen Zé Arigo gefunden zu haben. Prof. Puharich war dabei selbst von diesem am Arm operiert worden. Er berichtete: „Viele seiner Patienten waren schwerkrank. Eine Frau zum Beispiel wurde von einem riesigen Kropf geplagt. Als Arigo sie behandelte, nahm er ein schmales Schälmesser zur Hand und schnitt die Haut so weit auf, bis der Kropf hervorquoll. Dann nahm er das Gewächs heraus, klatschte es der Frau in die Hand und rieb die Wunde mit einem Baumwolltuch trocken. Die Frau stand sofort wieder auf, ohne dass sie fremder Hilfe bedurfte.“

Neben den immer zahlreicher werdenden Selbstzeugnissen geheilter Patienten, an manchen Tagen wurden bis zu 300 Kranke unentgeltlich behandelt, sprach der Umstand für den von brasilianischen Ärzten und Klerikern wütend bekämpften Heiler, dass von den zig Tausenden derart unorthodox Operierten keiner an einer Sepsis erkrankte. Eigentlich ein Unding angesichts der katastrophalen hygienischen Verhältnisse, unter denen die Operationen gewöhnlich stattfanden. Jedenfalls gelang es seinen Gegnern nicht, Zé Arigo für längere Zeit im Gefängnis festzuhalten.

Wiewohl von der Kirche angefeindet, war dieser Zeit seines Lebens ein tiefgläubiger Mann geblieben. Auch behauptete er nie, selbst die Operationen durchgeführt zu haben. Vielmehr sei er nur ein Medium, durch das der Geistarzt Dr. Adolphus Fritz arbeiten würde. Dieser sei als Militärarzt 1918 verstorben. Mit Dr. Fritz sollte ich im Jahre 2003 selbst in näheren Kontakt kommen.

Mit dem Tode von Arigo war die Arbeit des jenseitigen Helfers jedoch noch nicht beendet.

Bis Mitte der achtziger Jahre wurde er durch den Arzt und Gynäkologen Dr. Edson Queiroz tätig. Während dieser vormittags seinem Beruf als Schulmediziner nachging, stauten sich an den Nachmittagen die Patienten auf der Straße vor seiner Praxis. Wiewohl er meist ein Skalpell bei den gleichfalls kostenfrei Operierten einsetzte, wurde auch er von seinen Standesgenossen heftig angegriffen, obschon er naturgemäß etwas bessere Argumente als sein Vorgänger hatte. Auch er war ein sehr religiöser Mann, der gleichfalls eines gewaltsamen schnellen Todes starb.

An dieser Stelle fällt mir auf, dass ich von einer ganzen Reihe von strenggläubigen Heilern weiß (mit einigen von ihnen war ich selbst direkt in Verbindung getreten), dass sie unvermutet aus dem Leben gerufen wurden. Es kann freilich nur pure Spekulation sein, dass die geistige Welt damit den selbstlos sich für ihre Mitmenschen viele Jahre einsetzenden Männern ein langes Siechtum ersparen wollte.

Inzwischen soll es einige weitere brasilianische Heiler geben, die als Medien für Dr. Fritz sich betätigen. Ob der Geistarzt mit seinem Geisthelferteam gleichzeitig an mehreren Orten physische Veränderungen am Körper des jeweiligen Patienten hervorrufen kann, entzieht sich meiner Beurteilung. Angesichts der völlig anderen Bedingungen der feinstofflichen Ebenen in der 4. und 5. Dimension sind derartige „Bilokationen“ nicht undenkbar.

Zu erwähnen sind hier vor allem die noch lebenden Mauricio Guimaraes und Rubens Faria, die beide von sich beanspruchen, mit Dr. Fritz zu arbeiten. Der gleichfalls in Deutschland unter großem Patientenandrang zeitweilig tätige Geistheiler Joao Texeira da Faria, bekannter unter dem Namen Joao de Deus, wird hingegen nicht mit Dr. Fritz in Verbindung gebracht.

Mauricio Guimaraes operiert und behandelt gleichfalls täglich Hunderte von Patienten mit Skalpell, Nadeln, Pinzetten, Scheren, Watte und einem gezahnten Küchenmesser. Dies dauert jeweils max. 3 Minuten. Er fordert von ihnen 10 Real (etwa 3 Euro) und 1 kg Lebensmittel. Diese Erlöse kommen in organisierter Form 2000 bedürftigen Familien zu Gute. Auch unterhält er inzwischen ein Waisenhaus.

Mauricio G. gilt als extrem gottesfürchtiger Mensch, der seine Arbeit am Abend mit zwanzig irdischen Helfern stets mit Gebeten und religiösen Liedern beginnt, welche sich dann oft bis 4 Uhr Morgens hinzieht.

Über Rubens Faria wird, um der Chronologie der Ereignisse gerecht zu werden, an späterer Stelle eingehender berichtet werden.

Tony Agpaoa (1939 – 1982) benutzte keinerlei Hilfsmittel, sondern operierte ausschließlich mit seinen Händen. Er war zu seinen Lebzeiten der im Westen wohl bekannteste aller philippinischen Wunderheiler. Zu ihm kamen gegen Ende seines Lebens ganze Bus– und Fliegerladungen Heilung Suchender… und eine Menge kritischer Beobachter, darunter der Freiburger Parapsychologe Prof. Dr. Bender und der Physiker Prof. Dr. Schiebeler.

Schon in den siebziger Jahren war über den offensichtlichen Betrug der Philippinos an gutgläubigen Patienten eine heftige Diskussion im deutschen Fernsehen und in Magazinen wie der Stern geführt worden. Auffällig war daran die Tatsache, dass die wenigsten der Kritiker, die technische Argumente wie Spiegelfolien, in Behältern vorher abgefülltes Blut und präparierte Stücke von Hühner- und Schweinefleisch vorbrachten, sich mit Sorgfalt vor Ort informiert hatten. Was ihrem materialistischen Weltbild nicht entsprach, konnte und durfte nicht sein.

Oft im üblen Boulevardjargon voreingenommener Journalisten wurden die Sachverhalte in die Bevölkerung getragen. Sogar Magier wurden bemüht, die mit viel technischem Aufwand und Zeitbedarf versuchten, einzelne geistchirurgische Eingriffe zu simulieren. Dass dies nicht Einklang mit der unbestreitbaren, gefilmten Tatsache stand, dass die Operationen mancher Philippinos oft zigfach im Minutentakt mehrere Stunden lang vollzogen wurden und bei Betrug riesige Mengen an Blut und Tierfleisch erfordert hätten, ging den Wenigsten auf.

Ohne Zweifel verfügte der dank der Geschäftstüchtigkeit seiner Frau zu großem Wohlstand gelangte T. Agpaoa über ungewöhnliche Fähigkeiten. Nach meiner Rückkehr nach Japan besuchte mich eine Dame aus den Philippinen, die in Tokio verheiratet war. Die sehr gebildete Frau erzählte mir, wie sie den Heiler, der sie „kleine Schwester“ zu nennen pflegte, als Übersetzerin bei seinen gelegentlichen Besuchen in der Hauptstadt stets begleitet hatte. Bei einer dieser Gelegenheit ließ er sich sogar hier testen.

Der weltbekannte japanische Parapsychologe und Chakrenforscher Dr. H. Motoyama, von Beruf Arzt und Shintopriester, der von mir selbst zwei Jahre zuvor in seinem Institut in einer der Vorstädte Tokios besucht worden war, hatte eine für ihn typische Testanordnung vorbereitet. In einem sonst völlig leeren Raum stand lediglich eine mit einem weißen Laken bedeckte Liege. Vor Dr. Motoyama und zwölf weiteren japanischen Ärzten zog sich nun Agpaoa splitternackt aus und begann mit seinen Operationen an gleichfalls weitgehend unbekleideten Patienten. Besondere Aufmerksamkeit fand seine Fähigkeit, mit ausgestreckten Fingern der rechten Hand, etwa zehn Zentimeter über der Haut des Kranken entfernt, eine langen, sofort blutenden Schnitt zu machen, bevor er mit der Hand in dessen Körper fuhr. (Diese Technik konnte ich selbst bei einem anderen Heiler beobachten).

Als seine Begleiterin ihn hinterher fragte, warum er sich hierzu bereit gefunden habe, soll er, mit dem offensichtlichen Ressentiment gegenüber der früheren Besatzungsmacht, geantwortet haben: „Ich wollte den Japanern einmal zeigen, wozu ein Philippino fähig ist.“

Die Dame berichtete mir ferner, Agpaoa habe sich, wenn er sich energetisch erschöpft gefühlt habe, jedesmal für einige Wochen in die Berge seiner Heimat zurückgezogen, um dort zu meditieren und zu beten. Nach seiner Rückkehr habe sein Energieniveau ausgereicht, um ein frisches Kartendeck zwischen Zeige- und Mittelfinger zu zerteilen. Dies habe sie persönlich mehrmals beobachtet.

Tony Agpaoa starb einen Monat vor meiner Ankunft in Baguio an einem Gehirnschlag. Einige Wochen vorher hatte er seinen baldigen Tod angekündigt und mit Freunden noch ein großes Fest gefeiert. Man kann nur Mutmaßungen darüber anstellen, ob er nicht zuviel eigener Lebensenergie bei seinen zahllosen Heilungen verbraucht hatte oder ob nicht gar der hierdurch erworbene gewaltige Wohlstand in spiritueller Sicht einer der Gründe für das viel zu frühe Ableben dieses großen Geistchirurgen wurde.

Mit Reichtum hatte der Mann, den ich besuchen sollte, wenig im Sinn. Auch er lebte und arbeitete in Baguio, das etwa eine halbe Flugstunde von Manila entfernt in bergiger Gegend liegt. Klimatisch ist es vor allem in den Sommermonaten der Hauptstadt weit überlegen, weshalb eine Reihe begüteter Philippinos vor der Hitze sich hierher flüchten. Auch der berüchtigte Diktator Ferdinand Marcos hatte hier seine Sommerresidenz. Das kleine Städtchen war zum Lebensmittelpunkt der meisten der philippinischen Geistchirurgen geworden, die sich offensichtlich aus besagten Gründen hier eingefunden hatten.

Brother Segundo war mir in Tokio empfohlen worden, nachdem ich vom Tode Agpaoas erfahren hatte, den ich ursprünglich besuchen wollte. Telefonisch sagte er mir zu, ihn überall bei seiner Arbeit beobachten zu dürfen. Zu meiner großen Überraschung legte er mir nahe, eine gute Kamera mitzubringen. Bewaffnet mit einer riesigen Profi-Nikon hatte ich mich demzufolge auch auf den Weg gemacht. Das gute Stück sollte mir tatsächlich vortreffliche Dienste leisten.

Der Geistheiler lebte mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in einem bescheidenen Haus, an dessen Rückseite ein Schweinekoben mit einigen dieser Nutztiere sich befand.

Das Mobiliar des winzigen Behandlungszimmers setzte sich aus einer Liege ohne schützendes Tuch oder Decke und zwei Stühlen zusammen. Daneben stand eine leere Schüssel und ein Tischchen, mit einem Behälter mit Watte, einigen gefalteten Handtüchern und einer Bibel. Ansonsten war der Raum leer. Ein etwa 15-jähriger Junge begrüßte mich mit gefalteten Händen, der typischen Höflichkeits- und Ergebenheitsadresse Südostasiens. Wie ich gleich feststellen sollte, oblag ihm die Reinigung des Körpers des Patienten von dem bei der Behandlung ausgetretenen Blut mittels Watte und/oder Handtuch.

Brother Segundo war ein relativ kleiner, drahtig wirkender Mann mit einer für philippinische Verhältnisse schmalen, scharfen Nase. Er trug ein Hemd mit langen Ärmeln, das stets bis über den Ellenbogen hochgerollt war, eine einfache Leinenhose und Sandalen. Ich schätzte ihn auf mein Alter, also knapp über 40. Sein immer ausgeglichenes und freundliches Wesen paarte sich mit einer seltsamen Entschlossenheit. Dieser Mann wusste, was er wollte. Der Funke sprang sofort über und wir entwickelten die folgenden Tage ein ausgezeichnetes Verhältnis zueinander.

Gleich zu Beginn eröffnete er mir, dass ich ihn überall hin begleiten dürfe und es mir freistünde, ihn aus nächster Nähe zu beobachten und ihn auch alles zu fragen. Die Kamera begrüßte er mit zustimmendem Nicken. Nicht die geringste Spur irgendwelcher Berührungsängste. Er war wie ein Buch, das ich nur aufschlagen musste.

Der erste Patient war eine uralt wirkende Philippina. Nachdem sie sich auf die Liege gelegt hatte, berührte Brother Segundo kurz die Bibel und begann mit abgewendeten Augen seine Arbeit. Er zog entschlossen der Frau Rock und Hose vom Leibe und fuhr ihr mit beiden Händen über ihren Schamhaaren in den Unterleib. Ich musste schlucken, sah ich zum ersten Mal in meinem Leben, wie aus einem geöffneten Bauch helles Blut austrat, das eigenartigerweise großteils sofort dunkler wurde und koagulierte. Wie ich später realisierte, sah der Heiler auch bei einer Reihe anderer Operationen überhaupt nicht hin, sondern hatte die Augen geschlossen oder diese abgewendet.

Mit einem kurzen Ruck zog er nun etwas heraus, das sehr entfernt an einen vertrockneten Traubenstiel erinnerte und warf es in die Schüssel. Mit der Hand schloss er, ohne eine Narbe zu hinterlassen, die Öffnung und der kleine Junge trat mit Watte und Handtuch in Aktion. Die alte Frau zog sich wieder an und verließ, ohne etwas zu bezahlen, mit einem kurzen Dank in Tagalo den Raum.

Natürlich stellte ich sofort die Frage nach dem Leiden der Frau. Segundo, der sich auf den Stuhl gesetzt hatte, um sich auszuruhen, sagte nur, dass sie „unten vertrocknet“ gewesen sei; er meinte dabei vermutlich ihre Eierstöcke.

Den Rest des Vormittags fuhr er fort, Patienten mit den verschiedensten Erkrankungen zu operieren. Die Technik war immer die gleiche. Mit beiden Händen, die Daumen mit Zeige- und Mittelfinger geschlossen, drang er in den jeweiligen Körperteil ein; gelegentlich an mehreren Stellen. Hierbei entfernte er in der Regel kleine Gewebeteile, die wie schon beschrieben, entsorgt wurden. Manchmal schien er freilich lediglich tief im Körperinneren mit bohrenden Bewegungen zu arbeiten. Dies auch nur, wenn der Kranke auf dem Rücken lag. Wenn er die Hände zurückzog, schloss sich gleich die Wunde. Nur selten strich er abschließend mit einer Hand darüber. Von einer Narbe keine Spur.

Auffällig war jedesmal der Austritt von kleinen Mengen Blut; je nach Dauer des Eingriffs bis zu maximal etwa einer viertel Tasse. Die relativ hellrote Farbe wich augenblicklich einem tiefen Braun, wobei das Blut zu kleinen Klumpen gerann: es koagulierte von einer Sekunde zur nächsten. Nur ein winziger Rest blieb flüssig in der ursprünglich hellroten Farbe. Dies war selbst für mich medizinischen Laien gelinde gesagt sehr ungewöhnlich, wusste ich doch, dass Blut erst nach einer Weile unter Luftzutritt gerinnt.

Es versteht sich von selbst, dass ich überall im Raum nach den von den Kritikern behaupteten Blut- und Fleischkonserven sorgfältigst gesucht hatte. Auch gab es außer der Schüssel, in der sich allmählich Gewebeteile häuften, und dem Wattegefäß nicht die geringste Spur eines offenen Behälters, in dem etwas Derartiges aufbewahrt werden konnte. Unmöglich, dass der kleine Junge, nur mit einem T-Shirt und kurzer Hose bekleidet, von irgendwo etwas bei jedem Eingriff herbeischaffte.

Meine Nikon war nun in vollem Einsatz. Aus nächster Nähe produzierte sie gestochen scharfe Aufnahmen. Bei manchen Eingriffen betätigte ich den Auslöser in schneller Folge, so dass ich regelrechte Bildsequenzen von diesen bekam. Später zeigte sich auf den Photos, dass das Blut, je nach Länge der Operation, immer weiter aus der Wunde drang, und dabei, der Schwerkraft folgend, leicht verklumpt am Körper herunter lief, bis es von dem kleinen Gehilfen mittels der Watte oder einem Handtuch gestoppt und weggewischt wurde. Mit anderen Worten, Blut trat nicht nur beim ersten Ansatz des Eingriffs aus, sondern floss mit Fortdauer der Behandlung weiter aus der offenen Wunde. Diese Feststellung erscheint mir wichtig.

Einen weiteren Beweis lieferte ich mir selbst. Ich ließ mich nämlich wegen meiner großen Gallensteine behandeln, die die ganze Gallenblase ausfüllten. Die Operation blieb erfolglos.

Allerdings hatte ich hinterher einige große Blutflecken auf meiner Unterhose vorgefunden.

Nach Rückkehr übergab ich diese einem mit uns befreundeten jungen amerikanischen Biologen, der sich zu Forschungszwecken in Tokio aufhielt. Etwas betreten teilte mir der völlig ungläubige jüdische Wissenschaftler das Ergebnis der Blutanalyse mit: Es war menschliches Blut, Typ A, Rhesusfaktor negativ, meine Blutgruppe.

In der Mittagspause ließ es sich Brother Segundo nicht nehmen, mich jedesmal zu einem Landesgericht in einer Garküche in der Mitte des Städtchens einzuladen. Es gab unweigerlich Reis mit einem unerfindlichen Stück Fleisch darin, das nur mit großer Phantasie ehedem einmal ein Huhn gewesen sein musste. Dann ging es zu einzelnen Hotels weiter, in denen ausländische Patienten in ihren Zimmern auf ihn warteten. Der Junge war nicht dabei.

Hierbei ist erwähnenswert, dass Brother Segundo seinen Uralt-Ford selbst steuerte. Außer der Bibel hatte er nichts bei sich. Hotelhandtücher taten hier ihren Dienst. Unmöglich, dass der Heiler von mir unbemerkt etwas in Richtung Blut- und Fleischkonserven mit sich führte. Unweigerlich hätte ich während der einzelnen Fahrten die Mengen an dergestalt notwendigem Material bemerken müssen, denn auch in den Hotels floss unweigerlich Blut und wurden Gewebeteile und Fleischklumpen entfernt.

Eine Operation werde ich nie vergessen, zumal ich hiervon eine ganze Serie aus wenigen Zentimetern Entfernung geschossene, technisch erstklassige Aufnahmen gemacht hatte, die alle noch in meinem Besitz sind. Bei dem Patienten handelte es sich um einen auf einem Auge völlig erblindeten Jordanier; das zweite war schon angegriffen. Der Patient lag auf dem Bett. Mit dem Zeigefinger der rechten Hand fuhr Brother Segundo im Augenwinkel des linken Auges tief in dasselbe. Mit der linken Hand zog er das Auge dann etwas heraus, das nur an einigen Muskeln, Sehnen und Blutgefäßen zu hängen schien. Ich verstand nicht, was ich da sah. Zumal sich dann an der linken oberen Seite des Nasenrückens auch noch eine klaffende, leicht blutende Öffnung bildete, unter der sich eine dunkelbraune nussartige Muskelstruktur (?) zeigte. Das Auge hatte er wieder zurückschnellen lassen.

Auch heute noch sitze ich kopfschüttelnd vor der Aufnahme des Gebildes, das unweigerlich an die Oberflächenstruktur einer Walnuss erinnert. Nachdem das Blut weggewischt worden war (auf den folgenden Photos zeigen sich noch kleine Blutspuren auf Hals, Schnurrbart und Augenwinkel) und die Wunde sich wieder spukhaft vor meinen Augen geschlossen hatte, setzte sich der Jordanier wie benommen auf. Die zuvor geöffnete Haut des linken Nasenrückens sah nun jung und wie neu aus. Er hielt sich das rechte Auge zu und schwor auf Englisch Stein und Bein, wieder auf dem operierten Auge sehen zu können. Etwas müde setzte sich Brother Segundo neben mich, hatte ihn die ganze Prozedur offensichtlich doch leicht angestrengt. Auch ich war regelrecht geschafft, trotz der zahlreichen zuvor schon beobachteten Eingriffe. Diese Augenoperation war für mich etwas ganz Besonderes geworden.

Natürlich kann ich keine Aussage darüber machen, ob die Heilung des Auges bei dem Jordanier angehalten hat, blieb ich selbst nur einige Tage in Baguio. Allerdings erhielt ich doch eine Menge Hintergrundinformationen über den Geistchirurgen. Auch bei Ausländern arbeitete er auf Spendenbasis. Ziemlich bitter beschwerte sich seine Frau bei mir darüber, niemals genügend Geld zu haben. Sie verwies dabei etwas neidisch auf andere Frauen erfolgreicher Heiler wie z.B. Agpaoa, die im Geld schwimmen würden. Brother Segundo schien sich in der Tat auch wenig aus Geld zu machen. Der Zustand seines rostigen Autos spottete jeder Beschreibung. Die Seitenfenster waren teilweise eingeschlagen, die Kupplung hatte ihre Dienste eingestellt und die Reifen waren total abgefahren und ohne das geringste Profil.

In seinem Haus traf ich einen 78-jährigen Österreicher an, der an Krebs erkrankt war. Diebe hatten ihm Pass und alles Geld gestohlen, damals eine brenzlige Situation für einen alten Ausländer auf den Philippinen. Segundo hatte den gebrechlichen Mann bei sich aufgenommen und versah ihn mit kostenloser Behandlung, Unterkunft und Nahrung.

Er war ohne Zweifel ein sehr frommer Mann mit einem großen Gottvertrauen. Oft sah ich ihn auch nach den chirurgischen Eingriffen längere Zeit beten. Gleichwohl er kein besonderes Verhältnis zur Staatskirche zu haben schien, waren Jesus Christus, Maria und die Heiligen für ihn akzeptierte Realität. Unweigerlich stellte sich mir die Frage, welche Motivation diesen Menschen antreibt, Tag für Tag Kranke zu heilen. Ruhm und Reichtum waren es offensichtlich nicht.

Er erzählte mir, aus armen Verhältnissen zu kommen. Schon als kleiner Junge habe er auf den Feldern für Pfennigbeträge gearbeitet und hier durch bloßes Handauflegen oft die anderen Arbeiter selbst von Knochenbrüchen geheilt. Wie er zur Geistchirurgie kam, erfuhr ich nicht.

Viele Jahre später beschrieb mir ein anderer Philippino, den ich von einer Ortschaft nördlich von Bad Nauheim zum Frankfurter Hauptbahnhof nach einer Heilsitzung kutschierte, während der Fahrt einige Details hierzu. Hiernach werden junge angehende Geistchirurgen nach einer längeren Zeit des Ausbildung bei einem erfahrenen Logurgen für mehrere Tage und Wochen alleine in eine ganz bestimmte Höhle zum Gebet und Meditation geschickt. Wenn sie dann wieder aus der Höhle auftauchten, besäßen sie die Fähigkeit, mit ihren Händen Körper zu öffnen und zu heilen.

Ein großer Wunsch schien Brother Segundo bald erfüllt zu werden. Mit einigem Stolz fuhr er mich nach einigen Tagen zu einer Baustelle in einem besseren Teil der Stadt. Hier war bereits im Rohbau ein ansehnliches Haus erkennbar. Endlich habe er in Kürze einen größeren Heilraum mit einem angemessenen Wartezimmer zur Verfügung und müsse nicht mehr zu den jeweiligen Hotels fahren. Das Haus war ihm von einem wohlhabenden Zahnarzt aus Kapstadt gestiftet worden, den er vor der Erblindung bewahren durfte. Unaufgefordert gab er mir Namen, Anschrift und Telefonnummer des Arztes.

Ich verzichtete darauf, den Wahrheitsgehalt dieser Heilung selbst zu überprüfen. Während der weit über zwanzig Operationen, denen ich aus unmittelbarer Nähe beiwohnte, hatte mich der Geistchirurg von der Realität dieser besonderen Form des Geistheilens vollkommen überzeugt. Den Unsinn der Behauptung, hier würden mit Spiegelfolien und vorbereiteten Blut- und Fleischkonserven jedweder Art körperliche Eingriffe gutgläubigen Patienten wie Beobachtern vorgegaukelt, hatte ich für mich selbst ad absurdum geführt. Zahlreiche Fotoaufnahmen erhärteten das Ergebnis meiner Untersuchung.

Mit bewegten Worten verabschiedete ich mich von dem hochherzigen Mann, nicht ohne ihm vorher einen ansehnlichen Dollar-Geldschein in einem verschlossenen Briefumschlag in die Hand gedrückt zu haben. Erst knapp zwanzig Jahre später sollte ich von Brother Segundo wieder hören.